Leder, Generationen und 20-Jahres-Pläne

Shownotes

Über 600 Jahre Familiengeschichte. Ein Rittergut im Sauerland. Eine Sattlerei mit mehr als 100 Handarbeitsschritten pro Sattel. Tarquin Cosack rettet das Familienanwesen vor der Zwangsverwertung, baut einen Betrieb auf, der zu den wenigen Top-Adressen in Deutschland gehört – und denkt nicht in Quartalen, sondern in Jahrhunderten. Warum er Kunden absagt, deren Pferde nicht geritten werden dürfen. Warum seine Werkstatt fast ausschließlich von Frauen geprägt ist. Und wie eine Seniorenresidenz im Haupthaus das Gut für die Zukunft abzusichern versucht. Pragmatisch, unbequem, mit akutem Schlafmangel.

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00:00:00: In den nächsten Minuten werden wir uns über die Geschichte unserer Familienanwesens unterhalten und ein bisschen in die Geschichte der Familie abtauchen.

00:00:07: Weiterhin werden wir unsere Sattlerei, meinen Beruf, den Umgang mit dem Pferd das Führ-und-Wieder von Setteln unterhalten.

00:00:15: Und

00:00:16: den Ledergeruch

00:00:18: mitteinfließen

00:00:19: lassen.

00:00:23: Sprechstoff!

00:00:24: Der Podcast mit Holger Bernhardt Lasst uns drüber reden.

00:00:30: Er hat sein Ritter gut mit zweiundzwanzig gegen den Willen seines Vaters gerettet.

00:00:35: Heute zählt seine Sattlerei zu den drei Besten in Deutschland, Tarquin Kossack misst Pferde für den perfekten Sitz an neunundneunzig Punkten näht jeden Sattel von Hand und schickt Kunden weg wenn das Tier zu schwach ist.

00:00:49: In seiner Werkstatt auf dem Ritter Gut Wilzhausen in Ansberg arbeiten sieben Frauen kein Mann.

00:00:55: Warum wacht er seit drei Jahren nicht mehr ohne Wecker auf?

00:00:58: Und was bedeutet Haltung, wenn das Haupthaus bald Senioren beherbergt.

00:01:02: Ich bin Holger Bernhard Du hörst Sprechstoff.

00:01:06: Also mein Name ist Tagwin Kossack.

00:01:08: ich bin gelernter Sattler im Fachbereich Reitsport habe meine Ausbildung in der Maßsattlerei gemacht.

00:01:15: in der Nähe von Obersteinebach Bin hier Jahrgang zweiund achtzig.

00:01:19: Feierabend bin zweiter Ehe Mein Sohnemann wird jetzt zwanzig Jahre alt und bin aktuell leitende Generationen unseres Familien anwesens.

00:01:27: Das wird da gut willshausen hier in fünfundundach zu drei ansberg haben die sattlerei wo wir uns spezialisiert haben auf maßanfertigung für den ridesport das heißt also für fährtunreiter habe ich im juni zwei tausend fünf gegründet und wir blicken jetzt somit auf eine über zwanzigjährige erfolgsgeschichte zurück denn damals startete dass alles als sogenannte ich ag.

00:01:48: die gab es damals und heute haben wir die Situation, dass wir als einer der drei anerkanntesten Betriebe in Deutschland sind.

00:01:55: Haben sieben Vollzeitangestellte jedes Lehrjahr ausgebildet und geben uns viel Mühe in Ausbildung von jungen Leuten bis hin zum Meister und arbeiten bundesweit, teilt sogar europaweit was die Maßentfertigung

00:02:10: für

00:02:11: die Ferde im Freizeitbereich betrifft.

00:02:13: Moin Tarquin!

00:02:15: Ja hallo Holger

00:02:16: Du sitzt gerade in einer Werkstatt auf einem Rittergut, das seit ... ... und dessen Geschichte bis ... ... irgendwo läuft ein Bach vorbei der früher eine Wassermühle angetrieben hat.

00:02:32: Fühlt sich das für dich normal an?

00:02:35: Ja schön beschrieben!

00:02:36: Für mich fühlte es sich völlig normal an denn als geplante Hausgeburt vom ersten Atemzug an auf dem Familienanwesen lebend Mit dem Wissen dahinter, dass wir zu den ganz wenigen Familien im Sauerland gehören, die eine Sondergenehmigung haben.

00:02:50: Dass wir uns auf unserem eigenen Grund und Boden beerdigen und bestatten lassen dürfen in unserer eigenen Familienkapelle ist das für uns gängige Praxis.

00:02:59: Die Psychologie spricht von einer sogenannten Blutboden-Bindung Und für mich ganz speziell ist natürlich das Verwachsen mit dem Eigentum wo viele, viele Generationen drin gewirkt haben und gewaltet haben, ist diese Verbindung schon etwas ganz Besonderes.

00:03:18: Wie ich sagte von der Hausgeburt angefangen bis wir wissen wo wir beerdigt werden und werden danach den Rest unseres Lebens weiter auf unserem Eigentum sein unsere Nachfahren zuschauen was die denn dann so hier bewirken.

00:03:30: ja für uns fühlt sich das normal ein

00:03:32: aber du bist kein Adelige.

00:03:34: Nein, wir sind ganz normales Bürgertum.

00:03:37: Wir hatten mal einen Adelszettel aus dem... Wir waren niedriger Adel vor mehreren Jahrhunderten von Jahren.

00:03:44: Das ist uns abmerkannt worden.

00:03:46: Da gibt es Chronologien drüber die das nachvollziehen lassen.

00:03:51: Es ist nicht ganz klar warum uns der Adels-Zettel abmerkant worden ist aber in der Chronologie steht drin aufgrund von ungeböhrlichem Verhalten.

00:03:59: Dem lehnt's Herrn gegenüber!

00:04:01: Aber du bist nicht traurig?

00:04:03: Ach nein, natürlich nicht.

00:04:05: Die Zeiten von Adel und die Privilegien von Adl sind vorbei.

00:04:08: Hätte man unsere vorhergehenden Generationen, zwei Generationen zurückgefragt hätte man das sicherlich anders gesehen.

00:04:14: Ansonsten wäre es heute nur ein Spielball des Namens Leben geht auch ohne Adle zu sein.

00:04:20: Du bist ja auch kein Rechtsanwalt, die brauchen solche Titel.

00:04:23: Ja auch nicht alle aber es verkauft sich natürlich bei dem einen oder anderen etwas besser.

00:04:27: Das ist so.

00:04:28: Mit zweiundzwanzig Jahren hast du ein Rittergut geerbt und sofort eine Sattlerei gegründet.

00:04:33: Hattest du irgendwann auch den Gedanken, ich verkauf das einfach und mach was Vernünftiges?

00:04:38: Ja sehr vermessene Frage für jemanden der hier groß geworden ist!

00:04:42: Ich war zwanzig, habe es nicht geerbzt sondern ich habe es durchgesetzt gegen meinen Vater weil wir es vor der Zwangsverwertung gerettet haben.

00:04:48: bei aufgrund der jahrzehnte Landmisswirtschaft meines Vaters unter der vorhergehenden Generation mussten wir's vor der.

00:04:55: Und damit spricht ihr, ist deine Frage schlussendlich beantwortet?

00:04:58: Nein es gibt keine Alternative für uns.

00:05:00: Wir sind hier emotional so hart dran gebunden dass wir jederzeit unsere Verpflichtung nachkommen.

00:05:05: und das war damals die Verpflichtungen auch mit Anfang zwanzig die gar nicht in Frage gestellt worden ist wo man mir klar mitgeteilt hat entweder oder.

00:05:15: und jetzt musst du und da hat man nicht lange drüber nachgedacht bis man dann entschieden hat dass man alt genug ist.

00:05:25: Heute würde man das etwas anders sehen, wenn man die Fähigkeiten besessen hat.

00:05:27: Aber wir haben uns bis dahin gut durchgearbeitet und haben es relativ erfolgreich dann doch halten können über die letzten zwanzig Jahre und ausbauen können.

00:05:35: aber nein da steht völlig außer Frage und das steht soweit außer Frage dass man das vom ersten Atemzug hier beigebracht bekommt.

00:05:43: oder man lernt das was heißt beigebracht bekommen?

00:05:45: Man lernt dass man wächst darin auf von Kindesbeinen an darauf geprägt zu sein.

00:05:51: ich sehe es bei meinem Sohn ja der Wie gesagt, dieses Jahr zwanzig wird.

00:05:56: Der sein eigenes Leben lebt aber der sobald er seine Verpflichtung in ihn rufen wird natürlich hier sein wird und der auch sich dessen darüber bewusst ist.

00:06:07: ein Leben ohne den Hintergrund dieses Familien anwesens für uns persönlich undenkbar.

00:06:17: das steht klaren oberster Priorität vor jeglichen ihnen Kindern Oder dergleichen.

00:06:24: Es steht immer das Familienanwesen in jeder Entscheidung ganz oben.

00:06:38: Ja, das war... Da bin ich im Herbst deinerneunzig in Aachen bei deutschen Meisterschaft und beim Westernreiten abgestiegen.

00:06:46: Bei deutscher Vizemeistern hat mir gedacht naja ihr seid genauso verrückt wie die Dressurleute.

00:06:50: Nein, das ist logische Konsequenz.

00:06:52: Es ist so dass man ohne die Affinität zum Pferd schlussendlich diesen Beruf nicht wählen wird.

00:06:58: Das Wissen um das Pferddrummer rum ist unabdingbar um in unserem Job einen gewissen Erfolg zu haben Denn die Ausbildung bezieht sich schlussendlich allein auf die handwerklichen Tätigkeiten und nicht auf die Notwendigkeiten, was Passform betrifft oder auch aus dem Blickwinkel der Veterinärmediziner.

00:07:17: Solche Sachen werden alle in eine Ausbildung nicht ausgebildet außer man hat einen so guten Ausbildungsbetrieb.

00:07:22: Aber diese Affinität des Pferdes ist notwendig Und wir haben auch niemanden hier angestellt, der nicht selber aktiv reitet Ganz bewusst nicht aktiv im Reitsport ist weil wir aus dem Freizeitbereich kommen.

00:07:33: Das will man nicht despektierlich darstellen und auch nicht abwertend darstellen in irgendeinem natenweiser, weil es sind halt einfach unterschiedliche Parameter die man da heran stellen muss.

00:07:42: Nur ohne Affinität zum Pferd und ohne bewusste Erfahrungsschätze von Ausbildung vom Pferdd.

00:07:50: und wie fühlt sich was an?

00:07:53: Wie fühlt dich was an wenn es geritten wird?

00:07:57: In welcher Lektion, wie kann man es ein Pferd beibringen?

00:07:59: Also ohne diesen Erfahrungsschatz ist unser Beruf in der im Ergebnis nicht so darstellbar, wie wir das darstellen können.

00:08:06: Daher ist es logische Konsequenz war auch eine der Gründe wo die Berufswahl anstand hat man ganz kleiner Familie sich Gedanken dazu gemacht und gesagt okay was hat das Leben bis dato den Nachwuchs sprich mich geprägt?

00:08:21: Es war klar dass es was Handwerkliches werden sollte Und es gab zwei Bereiche, die mein Leben geprägt haben.

00:08:27: Das eine war der Jagd und das andere waren die Pferde.

00:08:31: Dann hat man geschaut was gibt's dort Handwerkliches?

00:08:33: Und dann gabs bei den Pferden dem Wattler und beim Jagd dem Büchsenmacher.

00:08:37: Das waren die beiden Sachen wo ich mich sehr intensiv mit beschäftigt habe.

00:08:39: Und dann ist schlussendlich der Sattler geworden weil ich ein unglaublich gutes Angebot bekommen habe bei dem Marktführer in Deutschland meinen Ausbildung machen zu dürfen.

00:08:48: Der bis zum heutigen Tag noch Mentor ist wie jede Woche miteinander telefonieren Wenn Fragen da sind, ich immer noch zu viel Kontakt sehr guten Kontakt zu ihm habe.

00:08:58: Dass ich ihn nach wie vor fragen kann nach überzehrenden Jahren noch.

00:09:00: Was ist das?

00:09:01: Als die Firma Risa in Westarwald in der Nähe von Koblenz hat letztes Jahr vierzigjähriges Jubiläum gehabt und wir sind sehr eng miteinander.

00:09:13: Über hundert Handarbeitsschritte Werkzeuge, die seit fünfhundert Jahren gleich sind.

00:09:18: Pflanzlich gegerbtes Leder aus dem Alpenraum?

00:09:21: Wie erklärst du jemanden warum so ein Maßsattel nicht einfach dreieinhalb Euro kostet?

00:09:26: Ja weil es einfach so ist.

00:09:27: Pum!

00:09:28: Ganz einfach.

00:09:30: Fertigung in Deutschland bedarf deutscher Lohnkosten und deutscher Lohnnebenkosten Und da dreht sich jetzt die Spur der letzten Jahre.

00:09:36: wird das auch der letzte Angestellte verstanden haben dass Lohn- und Lohnneben kosten eine der größten Parameter sind Wo dran sich Preise in Deutschland?

00:09:44: leider Gottes orientieren.

00:09:47: Ich kann das alles verstehen, ich kann es aus jedem Blickwinkel von Angestellten verstehen.

00:09:50: aber studentisch müssen wir auch immer gucken wie wir auf dem Markt noch weiteres platzieren können und dass wir es auch marktfähig ist.

00:09:56: Es hilft nichts mehr mit den tollsten Sachen machen können aber es halt auch nicht marktfähig ist, das ist das Problem der Betriebswirtschaft.

00:10:02: Wenn wir dann deutsche Fertigung mit deutschen Rohstoffen verknüpfen haben wir im Prinzip die High End Variante die wir nur so haben können in der Qualitätsstufe oder in den Grundvoraussetzungen einer Qualitätsstufe und dementsprechend muss das einfach akzeptiert werden.

00:10:16: Ich möchte aber auch dazu anmerken, dass wir bei den allerwenigsten Kundenaufträgen diesen über den Preis gewinnen.

00:10:28: Der wird im Regenfall nicht debattiert.

00:10:30: Er wird in der zweiten oder in der terziären Struktur mal debattieren.

00:10:34: dann können wir uns vielleicht über zwei bis drei Hundert Euro unterhalten.

00:10:38: Aber im Regelsfall wird das nicht debattiert, denn wir gewinnen unsere Kunden durch Überzeugung auf anderen Ebenen und dann ist allen relativ klar dass das was bezahlt werden muss halt auch bezahlt wird.

00:10:51: Natürlich kann man sich noch über einen gewissen Prozentanteil oder zwei drei vierhundert Euro unterhalten.

00:10:58: Dann schlussendlich liegt er aber auch in meinem Auftragsvolumen.

00:11:00: Aber wenn einer schon zu mir kommt und mich als erste Frage fragt, was kostet das?

00:11:04: Das wird nicht mein Kunde!

00:11:05: Es mag sehr vermessen klingen, aber das wird nicht meinen Kunde.

00:11:08: Weißt du ich werde durch ganz Deutschland geholt, fahre sechs, sieben, achthundert Kilometer um mir ein Pferd anzugucken, das auszumessen und eine Beurteilung abzugeben.

00:11:17: Da zahlen Leute sechshundert Euro Anfahrt dafür dass ich nur dahin komme.

00:11:21: Ich fliege jetzt im April nach La Palma für ein Pferd.

00:11:24: Die bezahlt mir das ganze Wochenende mit Flug, da fühle ich mich in der La Palmas Fliege mehr ein Pherd anzugucken.

00:11:29: Das ist schwierig.

00:11:30: wenn mich dann jemand fragt dass wir über's geltend Auftrag generieren wollen.

00:11:34: Da bin ich nicht mehr... also wir haben uns die Position erarbeitet.

00:11:37: Bin ich ganz stolz drauf bin ich auch sehr dankbar.

00:11:38: darüber brauchen wir auch schlussendlich um Arbeitsplätze in Deutschland erhalten zu können.

00:11:43: aber wir diskutieren nicht indem Maße.

00:11:46: die Diskussion lasse ich gar nicht so.

00:11:48: Das wissen sie im Vorfeld unsere Kunden.

00:11:49: ja

00:11:50: Du vermisst Pferderücken mit einem Topografen an neunneunzig Punkten, dreidimensional am Computer aufbereitet und dann nähst du von Hand.

00:12:00: Passt das zusammen oder lebst du in zwei Jahrhunderten gleichzeitig?

00:12:04: Ja, wenn es bei mir geht, lebe ich noch mehr Jahrhunderten als nur in zwei Jahren.

00:12:08: Wir versuchen natürlich moderne Technik einfließen zu lassen – also da wo es einen wirklichen Sinn macht, dennoch sind wir wie immer vorangestellt haben traditionelle Handwerkstechnik nachdem wir noch als Handwerker arbeiten Und viele handwerkliche Schritte, die wir so durchführen wie Handnähte sind nicht von einer Maschine darstellbar.

00:12:27: Es gibt Ecken wo wir nur mit der Hand rankommen und die müssen mit der hand einfach durchgeführt werden.

00:12:33: Ich finde das auch an sich selber gar nicht so ganz dramatisch dass wir nicht hoch digitalisiert sind wenn auch immer das alle gerne haben wollen würden.

00:12:39: aber ich bin auch noch der mensche brauchen zettel und ein stift zum aufschreiben und tippt mich auf den tabler drum.

00:12:45: Das will ich auch nicht bewerten Aber das ist halt meine welt.

00:12:49: Vielleicht liegt es ein bisschen daran, dass ich, naja konservativ will nicht sagen.

00:12:53: Wir sind sicherlich nicht, wir sind hochliberal eingestellt was viele Dinge über wirklich, wirklich viele Dinge betrifft.

00:12:59: Aber wenn man hier in einer Familienstruktur lebt und groß wird und dann noch mit alten Handwerkstechniken arbeitet, dann rennt man nicht hinter jeder neuen Idee her die nach einem halben Jahr Testphase jahrhunderte von bestätigten funktionierenden Konzepten über den Haufen schmeißt.

00:13:20: Es gibt Kunden, denen du keinen Sattel verkaufst.

00:13:23: Weil ihr fährt zu schwach ist um überhaupt geritten zu werden.

00:13:27: Das hast Du sogar in einer Fachzeitschrift veröffentlicht.

00:13:30: Wie reagieren diese Kunden wenn du ihnen das sagst?

00:13:33: Ja es kommt darauf an wie man das Ganze mit dem Kunden kommuniziert.

00:13:37: Jetzt gibt's ja zwei Wege.

00:13:38: Man kann das auf der einen Seite persönlich angreifend kommunizieren Dann wird der Kunde sich umdrehen und einem schlimmsten Fall eine negative Google Rezession schreiben Und man hört dann nie wieder was von.

00:13:51: Dann kann man sich auch gezielt mit dem Kunden hinsetzen und ihm das fachlich erklären ohne persönlichen Angriff.

00:13:58: natürlich spielen da immer Emotionen gerade bei Frauen, Das ist einmal der größte unserer Kundschaft.

00:14:04: und dann noch mit dem Pferd.

00:14:05: in Kombination haben wir immer eine emotionale Komponente dabei.

00:14:10: Da muss man ein bisschen empathisch sein oder ein bisschen aufpassen wie man das am besten formuliert.

00:14:15: aber wenn man sich hinsetzt fachlich erklären, also ohne persönlichen Angriff.

00:14:21: Der lauten könnte wie du bist zu blöd dein Pferd zu reiten das wäre ein persönlicher Angriff.

00:14:26: das ist ja keine fachliche.

00:14:27: es ist ja nicht in Ordnung.

00:14:29: wenn man das also fachlicht auseinander klamüsert und es sauber erklärt dann stoßen wir auf sehr positives Feedback dass viele Menschen sich das annehmen und dann auch sogar die Schritte weitergehen und sagen okay habe ich verstanden was kann ich denn tun?

00:14:44: Was empfiehlst du mir?

00:14:45: Oder wo kann ich Hilfestellung haben?

00:14:47: oder wie kann ich mich weiterentwickeln, oder wie können ich dem Pferd weiterhelfen.

00:14:50: Es geht im Regelfall gar nicht um den Inhalt der negativ wahrgenommen wird sondern um die Art und Weise wie man es ihm dann erklärt.

00:15:00: Achtundneunzig Prozent der Reitsport-Sattler in Deutschland sind Frauen!

00:15:04: Du bist der einzige Mann in deinem Betrieb beziehungsweise in der Werkstatt.

00:15:08: Stört dich

00:15:08: das?!

00:15:09: Nein überhaupt gar nicht Überhaupt gar nicht, mag sie auch lustig sich anhören wenn man das als Mann sagt.

00:15:15: Aber ich bin... Ich habe mein Lebtag nur mit Frauen zu tun von Kindesbeinen an.

00:15:21: Ich bin mit zwei Kindermädeln groß geworden.

00:15:23: Ich hatte meine Pferdemädchen um mich drum herum.

00:15:26: Ich war in der Schule mit meinen Mädels klicken unterwegs.

00:15:33: habe kein wirklichen Schulfreund, altmännlichen Schulfreunden in dem Maße gehabt bis zum heutigen Tag nicht.

00:15:38: Ich war immer nur in einer Frauenwelt bedingt durch die Pferde und komme da relativ gut mit klar.

00:15:46: ich weiß wie mir das mit diesem Hühnerhaufen funktioniert Und das soll auch so bleiben!

00:15:52: Ich hab es zwei drei mal probiert mit einem Mann zusammenzuarbeiten in den letzten zwanzig Jahren.

00:15:55: dass ist immer in einem desaströsen Kompetenzgerange geendet.

00:16:00: Das haben wir im Regelfall bei Mitarbeiterinnen nicht.

00:16:05: Ich fühle mich dann natürlich persönlich wohl, das kann jetzt jeder hingehen und sagen dass es biologisch begründet ist.

00:16:10: Ist auch okay, akzeptiere ich.

00:16:13: Hab da aber gar kein Problem mit.

00:16:15: also ich komme bei vielen Bereichen männlicher Denkstrukturen einfach nicht so mit.

00:16:21: Ich fühle mich damit meinen Mädels hier wesentlich besser.

00:16:23: Und es sind in der Regel ja auch die besseren Handwerker?

00:16:27: Ja Ich würde das nicht verpauschalisieren.

00:16:30: Also wenn ihr das jetzt im Dachdecker erzählt, dann wird der sagen weiß ich nicht was sicherlich bei vielen Frauen im handwerklichen Bereich ist dass die Präzision die Sauberkeit wesentlich genauer ist.

00:16:46: und da wir ein Handwerk sind die auf dem Millimeter genau arbeiten müssen und sehr präzise arbeiten müssen bringen sie da ein gewisses Privileg mit.

00:16:55: Dazu kommt, dass wir natürlich auch bei den jungen Damen sehen, dass wesentlich mehr Talente vorliegen.

00:17:00: und das muss ich aber ganz ehrlich sagen sehe ich seit zwanzig Jahren, dass jetzt sehr viel mit Schulbildung zu tun oder mit vorschulischer Ausbildung zu tun.

00:17:09: die Handgelenke schlafen alle ein es wird nur noch auf Bildschirm rumgetippt Es wird nicht mehr... Die Bewegung der Handgelänke wird nicht in dem Maße geübt was musizieren oder schön schreiben ist Klassisch, was Männer auch durchleben mussten in früher schulischen Ausbildungen oder überhaupt schulische Ausbildung.

00:17:29: Und das merken wir als große Defizite und deswegen haben wir dabei Frauen doch wesentlich größere Vorteile weil die natürlich im privaten Bereich teils kreativer sind malen oder dergleichen und damit die Handgelänke ein bisschen flüssiger sind.

00:17:41: also man merkt wie hackelig die Handgelenke sind wenn eine gebogene Linie gezeichnet werden soll.

00:17:46: heutzutage Das war früher fließender weil die Hände mehr Übung hatten von Kindesbeinern.

00:17:52: Du bekommst vierzig Bewerbungen pro Jahr aus ganz Deutschland, lädst die fünf besten zu einem einwöchigen Praktikum ein und nennst das dein Assessment-Center?

00:18:02: Was fliegt daraus?

00:18:03: schlechte Handarbeit oder schlechte Nerven?

00:18:06: Unsoziale Verhalten!

00:18:07: Das Wichtigste für uns zu schauen ist natürlich haben wir persönliche Parameter was Fürerscheinnotwendigkeiten betrifft, was Altersstrukturen betriffte oder dergleichen.

00:18:17: Ich stelle fest, dass wir wesentlich bessere Ergebnisse in der Ausbildung erzählen.

00:18:21: Wenn wir junge Leute haben, die von einer Altersstruktur her, die nicht ganz Blut jung sind und schon ein bisschen was vom Leben erlebt haben ... Handwerk!

00:18:32: Handwerkliche Fähigkeiten können wir geben beibringen.

00:18:34: Also ich kann dir auch beibrehen gerade auszunehmen.

00:18:37: Bist du talentiert?

00:18:37: Brauchst du drei Monate?

00:18:38: Bist Du untalentiert?

00:18:39: Übst du drei Jahre?

00:18:41: Wirst es irgendwann erreichen?

00:18:42: Die Frage ist halt nur mit welcher Arbeit du es erreichst Und die Summe der Arbeit wird bestimmt durch ein Vorhandnis oder nicht vorhandenes Talent.

00:18:51: Das heißt, für mich ist relativ wichtig wenn junge Leute in einem Praktikum für eine Ausbildungsstelle hier sind zu sehen auf der einen Seite wie schnell es sind deren Entwicklungsschritte also Wie schnell können wir sie mit einem Problem konfrontieren und wie schnell können Sie das unter Anleitungen löst bekommen?

00:19:08: Denn wissen können Sie dass alles von Anfang an nicht.

00:19:11: Und die zweite allerwichtigste Komponente ist für uns, wie kommen Sie im Sozialgefüge der Werkstatt klar?

00:19:15: Denn wir sitzen alle auf... ...auch auf Quadratmetern den ganzen Tag zusammen und verbringen wesentlich mehr Zeit miteinander als jeder mit seinem Lebenspartner.

00:19:24: Wenn das nicht im Sozial gefüge funktioniert dann Kannst du noch so toll gerade ausnehmen und noch so ein Talent haben, aber dann wirst du nicht in der Werkstatt klarkommen weil es einfach zwischenmenschlich nicht funktioniert.

00:19:34: Und das sind die zwei wichtigsten Faktoren, die wir rausfinden müssen, die ich auf keiner Bewerbung herausfinde – auf keiner schriftlichen Bewerbungen raus finde.

00:19:56: Ja, es ist ja kein Sattlerhof in dem Maße.

00:19:58: Es wird da gut als Altesfamilien anwesend.

00:20:00: Wir haben verschiedene Nutzungsstrukturen natürlich auf dem Hof etabliernd seitdem ich's für vier übernommen habe und wir haben damals im Jahr zweitausendfünfundzwanzigjährigen Gericht Strukturierungsplan geschrieben weil uns klar war dass wir nach viel zwei Generationen Misswirtschaft das Familienanwesen neu aufstellen müssen finanzielle Art und Weise, denn der Handwerksbetrieb kann da so nicht unterstützen.

00:20:25: Und dementsprechend haben wir verschiedene Nutzungsmöglichkeiten für die einzelnen Gebäude gesucht, geschaffen mittlerweile.

00:20:34: Die Seniorenresidenz ist eine der Nutzungen oder ist DIE Nutzungsmöglichkeit was wir als langfristiges Konzept für die nächsten fünfzig Jahre ansehen um das Haupthaus und somit die Kernkosten schlussendlich die das Anwesen somit sich bringt finanzieren zu können und somit auch für die nächste Generation finanziell das so aufzustellen, dass sie halt eben nicht, wie wir Generationen alle gezwungen worden sind, sinnbildlich gezwommen worden sind.

00:21:01: Auf dem Anwesen hier selber mit der Schippe arbeiten zu müssen, sondern wir haben ja eine junge Generation oder eine komplett andere Generation, die jetzt in den Fußstapfen steht.

00:21:14: Wir haben Globalisierung und die Welt steht in allen Offen.

00:21:17: Es ist sehr schwierig, heutzutage nach wachsenden Generationen zu erklären, dass du halt hier sein musst.

00:21:22: Und wenn das Leben aber in Amsterdam London und Berlin dann halt spielt wo ein das vielleicht beruflich hinbringt, dann wird es nicht einfacher, wenn man so'n altes Familienanwesen hat.

00:21:34: Deswegen ist es so zwingend wichtig, sauber finanziell aufzustellen, dass die Folgegeneration schlussendlich sein Leben in Amsterdam, London oder Berlin leben kann ohne die Verpflichtung hier haben zu müssen.

00:21:47: Und dafür brauchen wir neue Nutzungskonzepte.

00:21:49: Dein Sohn Tristan ist dabei, denkt ihr wirklich in Generation oder sagst du das nur für Interviews?

00:21:55: Nein!

00:21:56: Wir denken in Generationen und zwar in dieser übergreifenden Generation.

00:22:01: eine der Hauptgründe oder eine der Hapbegründungen warum wir in Generation denken es bekommen aus der Forstwirtschaft und jeder der aus der Fürstwirtschaft kommt Weiß, dass er in mindestens siebzigjährigen Intervallen denkt.

00:22:10: Wenn wir jetzt mal an Fichte denken und wenn man an Mischkulturen denken und dann Buche Eiche denken, dann denken wir noch über ganz andere Zeitschienen also Buche zweitjahre, zweitfünfzig Jahre und aufwärts.

00:22:22: Also denken wir schon ganz gezielt den Generationen.

00:22:25: was man hier von Jung an als Kind sehr schnell lernt ist das man sich nicht selber überschätzt und sich nicht selbst überwertet, dass man halt einfach auch nur ein Wimpernschlag der Geschichte.

00:22:38: Das heißt, wir wissen ja ganz genau wie viele Menschen schon vor uns waren und wir gehen alle davon aus dass mindestens die gleiche so mein Mensch noch hinter uns kommt.

00:22:46: Und es wäre unglaublich vermessen heutzutage zu sagen Wir wissen oder so alles und wir sind die Generation, um die es sich alles dreht.

00:22:54: Das heißt nein das ist völlig falsch dieser Ansatz.

00:22:57: Das heisst wie müssen wir uns immer Gedanken darüber machen?

00:22:59: Thema Nachhaltigkeit was aus der Fossilschaft kommt?

00:23:02: Wenn wir einen guten Job gemacht haben dann haben wir halt einfach zwei oder drei Steine dazu gepackt.

00:23:07: wenn halt eine generation ein nicht guten job gemacht hat Dann haben sie vielleicht nur ein stein dazu gepacked.

00:23:11: solange wie Sie kein abreißen ist ja alles zu akzeptieren.

00:23:15: Aber wir denken wirklich, wirklich Generation zu übergreifend und ich rede bereits mit meinem Sohn darüber.

00:23:21: Wo er dran denken muss wenn ich nicht mehr da bin was er sein Enkeln noch sagen muss weil es so ein paar Sachen gibt die auf dem Hof einfach doch recht langfristige Zeitschienen haben.

00:23:33: Beispiel von mir selber ist Ich führe eine Excel-Tabelle wo bis zwei tausend fünfundfünfzig genau drin steht was ich welches Jahr nicht vergessen darf.

00:23:42: Das ist noch ein paar Jahre, die ich die führen werde.

00:23:44: Wie hast du denn dann im Jahr two-tausendfünfzig mit deiner Frau in die Seniorenresidenz ziehen?

00:23:51: Ja das wissen wir doch nicht.

00:23:51: also meine Frau ist ein paar jahre älter als ich.

00:23:54: so Gott will sie dann auch bei guter Gesundheit und noch für mich vorhanden.

00:23:58: aber vielleicht haben wir auch einfach die Möglichkeit dass wir uns zu Hause stehen lassen können weil wir dann alles vor Ort haben und ansonsten ziehen wir selber natürlich da ein.

00:24:05: also es wäre ja zurück zu meinen Wurzeln dann dort geboren Und dann wieder zurück zur Pflege da, würde sich ja ganz gut anpassen.

00:24:12: Prima!

00:24:12: Schau mal hier vor dir sind Impulskarten die ich mitgebracht habe.

00:24:17: Die sind gut gemischt.

00:24:18: wenn du bitte eine Karte ziehst laut vorliest und dann spontan antwortest

00:24:24: Was möchtest Du bis zu deinem nächsten Geburtstag können?

00:24:27: Schlafen.

00:24:28: Aktuell möchte ich wirklich gerne mal schlafen können, schlaven können und wach werden können ohne Wecker denn die letzten drei Jahre durch diese ganze Sanierungsphase untergleichen.

00:24:37: gibt es wirklich keinen Tag wo nicht morgens kein Wecker weckt?

00:24:40: und dementsprechend würde ich gerne bis zu meinem nächsten Geburtstag da sind noch ein paar Monate hin wäre es schön wenn ich mir wirklich mal ausschlafen könnte um kein Weckerklingeln.

00:24:48: das wäre toll

00:24:49: Tag wen.

00:24:49: Vielen Dank für dieses tolle Gespräch, ich sag jetzt nicht gute Nacht weil dafür ist es noch ein bisschen zu früh.

00:24:55: wir sehen uns wir hören uns und

00:24:57: bis bald ja holger vielen dankes war mir eine freude das war mehr infest mit dir.

00:25:01: jederzeit gerne wieder.

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